Alles, was es über meine Touren zu sagen gibt

Pässe satt, August 2020

Corona sei Dank, haben wir die Tour von Anfang Juni auf Mitte August (14. bis 21. 2020) verschoben. Verfolgte man nämlich Anfang Juni das Wetter in der von uns ausgesuchten Region, hätten wir auch zum Skilaufen gehen können.

22 Pässe in 9 Tagen. Wie das geht und wie man dabei einen Kurven-Crash übersteht lest ihr nachstehend (samt Fotos):

Kurze Vorbemerkung zu den Bildern. Auf die kleinen Bilder könnt ihr klicken und sie werden groß angezeigt. Alle Bilder sind zum Teil von unterschiedlichen Fotografen*innen aufgenommen, die mir jedoch ihr OK zur Veröffentlichung gegeben haben. – Herzlichen Dank dafür.

Wir rollen über die A8 in gemächlichem Schweizer Geschwindigkeits Limit über die B35 bis nach Egerkingen wo wir die Schnellstraße verlassen. Durch kleine Dörfer und Weiler schlängeln wir uns nach Riechenthal und tauchen ein in eine dieser sanften Schweizer Hügellandschaften. Satte Weiden und die dazugehörige Zahl braun-weißer Kühe begleiten uns, manchmal abgelöst von großflächigen Maisfeldern und oft steigt aus den Wiesen noch der Dunst, des morgendlichen Regens, den die Sonne allmählich vertrieben hat. Nach Wolhusen verlassen wir die Hauptstrasse und genießen die Kehren des Aufstiegs nach Doppelschwand. Über Entlebuch fahren wir weiter sehr kurvenreich und interessant nach Rosswangen und biegen anschließend  in die Glaubenberg Passstraße ein. Gute, jedoch enge Straße, welche nicht überall ein Überholen zulässt. Nach der Passhöhe erwartet uns eine fantastische Aussicht auf die Region rund um den Sarner See. Die Abfahrt gestaltet sich deutlich entspannter als die Auffahrt über die Nordrampe, wobei sich die Straße, wenn man ein klein wenig schneller fahren möchte, auch ein klein wenig anspruchsvoll gestaltet. Die links von der Straße aufragenden Felsen rücken deutlich näher heran und lassen die Abfahrt ins Tal malerisch ausklingen. In sanften Schwingen genießen wir den Blick auf den rechts von uns liegenden Sarner See und rollen abwärts. Unten, im Dörfchen Sarnen lassen wir es uns erst einmal gut gehen und legen bei Kaffee und Schweizer Wurstsalat eine kleine Pause ein.

Eine weise Entscheidung, denn der Regengott hat beschlossen, dass es lediglich während unserer Pause zu regnen hat und daher gönnen wir uns, frisch gestärkt, eine kaum 3m breite Straße am Ufer des Sarner Sees entlang, um zunächst die Bundesstraße 4, zu vermeiden. Nach Giswil lässt sich das aber nicht mehr vermeiden und so

biegen wir auf die A8 Richtung Interlaken ab, was wirklich keinen Fahrspaß bedeutet. Zwar ist die Straße gut ausgebaut jedoch herrscht gigantisch viel LKW Verkehr. Gott sei Dank, sind es  nur ein paar Kilometer und wir verlassen die Strasse schnell, um über den Brünigpass in Richtung Meiringen zu fahren. Wir haben uns bewusst für die Brünigpassstraße entschieden, denn die Abfahrt vom Pass ist richtig, richtig gut. Nach Meiringen erwartet uns ein Anblick eines senkrecht emporragenden Steinwalls und der uns die Strecke in Richtung Grimsel Pass weist. Nach dem Örtchen Guttannen wird die Grimsel Passstraße zu einem wahren Genuß. Zunächst meandert sie das Tal entlang und die massiven Berge links und rechts der Straße geizen allmählich immer mehr mit Bäumen und zeigen grüne Matten, die jedoch für Kühe zu steil sein werden, was den ab und zu weidenden Ziegen wohl nur recht ist. Eine wunderbare Straße, welche wir ohne Verkehr vorfinden und dies dann eben etwas schneller fahrend genießen. Und wieder ändert sich die Landschaft. Nach den Ausblicken ins Tal rücken jetzt Tannenwälder dicht an die Straße heran, bieten Ruhe und strahlen Friedfertigkeit aus. Die Welt ist schön wenn man schwingend sein Motorrad durch die Landschaft treibt und schwupps, ist die Kehre da. Ja, nicht einlullen lassen, schnell und stark bremsen, runter in den zweiten Gang und nach dem Scheitelpunkt wieder raus beschleunigen.  Geht doch, und trotzdem sollte man das Aufpassen nicht vernachlässigen. So geht es die letzten Meter zur Paßhöhe hoch und nach kurzem Fotostop, bei welchem uns Steff und Rosa ihre innige Verbundheit demonstrieren (und das nach mehr als 30 Ehejahren – chapeau!)

nehmen wir die Abfahrt in Richtung Furkastraße in Angriff. Ich mag die Grimsel Fahrt immer wieder. Die tolle Aussicht ins Tal, wo man tief unten bereits die Furkastraße sieht und kurz vor Glesch den Ritt mit 10 Kehren abrunden kann. Unten rechts abbiegen und sehr flüssig die B19 nach Brig durchziehen.

Der Grimsel empfing uns noch mit rund 16 Grad, aber jetzt, im Tal steigen die Temperaturen auf nahezu 30 Grad, so dass wir bereits in Brig wieder durstig sind und uns in einem kleinen Cafe am Straßenrand niederlassen. Es herrscht viel Leben auf der Straße und die Menschen um uns herum genießen genauso wie wir den Schatten der Sonnenschirme aber auch den tollen

Ausblick in Richtung Simplon Pass, der offensichtlich schon auf uns wartet. Also, Aufsitzen und ab geht’s in Richtung Simplon Dorf. Die ersten Kehren empfangen uns schon aus Brig hinaus und dann nehmen wir die Auffahrt entlang des Tals. Oben auf den Bergen leuchten uns noch kleine Schneeflächen entgegen ud wir genießen das fantastische Blau eines strahlenden Himmels. Im Vergleich zum Grimsel Pass wirkt der Simplon eher wie eine kleine Autobahn. Problemloses Passieren der Grenze auf der Passhöhe und in leichten und schnellen Kurven düsen wir abwärts Richtung Domodossola. Die Bergspitzen in gelb/orangem Licht der langsam sinkenden Sonne spiegeln sich in der Rückspiegeln und lassen den Tag entspannt ausklingen. Je tiefer, desto schmaler, d.h. je mehr wir uns Domodossola nähern, desto enger wird das Tal und schmaler die Straße. Noch ein kurzer Ritt von ca. 30km und wir kommen sicher in Omegna am Orta See an. Unser Hotel liegt direkt am See und nach kurzem Frischmachen erobern wir eine kleine Bar am Abfluss des Sees für das erste Happy Landing Beer.

Das „Verrückte“ an diesem See ist, der Abfluss erfolgt nach Norden. Ein kleines Flüsschen, der nach ca. 2km in die Strona mündet, die wiederum in den Toce fließt und der ergießt sich in den Lago Maggiore. Während wir über diese geographischen Sonderheiten grübeln, zieht Rosa, unsere Beauftragte für schöne Restaurants los (es muss natürlich am See liegen und mit Terrasse und ein großes Steak soll nicht mehr kosten als eine Curry-Wurst). Auf Rosa ist verlass und sie wird fündig.

Ein Himmel, wie frisch aus der Wäscherei empfängt uns am Morgen und wir verlassen auf engen verschlungenen Pfaden Omegna. Den Orta See lassen wir buchstäblich links liegen und schrauben uns die Serpentinen hinauf in Richtung Arola. Einige Ansammlungen weniger Häuser schmiegen sich an den Berg, bevor die Straße etwas weiter wird und einen Blick auf den See frei gibt. Hinter einer heftigen Kehre liegt links eine Wallfahrt-Kapelle, von deren Platz man einen fantastischen letzten Blick auf den See und die kleine Insel San Giulio hat. Hier liegt offensichtlich der historische Ursprung der Besiedelung des Sees.

Weiter geht es, wobei wir uns immer mehr vom See entfernen. Ein kurzer und schneller Anstieg und kurz vor Arola von der Staatsstraße abbiegen und auf der SP78 in Richtung Civiasco fahren. Zwischen Arola und Varallo führt uns eine toll ausgebaute Straße über den Passo della Colma ins Siesatal, in welchem sich die Straße durch ein großes Waldgebiet

schlängelt. Kein wirkliches Schwingen, dazu sind die Kurven zu eng und wir müssen auch ein wenig den schwierigen Sichtverhältnissen Tribut zollen. Das schöne, aber deutlich sichtbehindernde Spiel zwischen Licht und Schatten, zwischen gleißenden Sonnenstrahlen und tiefschwarzem Baumschatten dämpft unsere Geschwindigkeit.

Nach Roccapietra wird die Straße etwas weiter und wir fahren durch das Valle Mosso und über Biella weiter zu unserem zweiten Bergziel, dem Col de Joux . Der Col de Joux (1640m) ist ein waldbewachsener Pass, der die Ortschaften Saint-Vincent und Brusson miteinander verbindet und sich als stimmungsvolle alternative Straße anbietet.

Dieser Gipfel bietet einen fantastischen Blick ins beginnende Aostatal und darüber hinaus eine „affengeile“ und kurven- sowie kehrenreiche Strecke, die insbesondere zwischen den Ortschaften Brusson und St. Vincent dazu neigt, den/die Fahrer*in schwindlig werden zu lassen. Anhand der nachstehenden Karte sei euch auch die Widrigkeiten eines Navisystems, bzw. die Erschwernis eines Mittagessens bei Falschinterpretation erläutert.

Das obere Fähnchen zeigt das ausgewählte Panorama Restaurant

Es ist eine kleine Stichstraße und wir haben die Abzweigung verpasst. Das Navi meckerte und sagte „Bitte wenden“. Peter, der Gute, kam hinter uns und bedeutete uns, geradeaus weiter zu fahren, da er die Meldung für ein Fake hielt und das „Zwischenziel“ löschte (Macht ja auch oftmals Sinn, wenn man eine Stadt eingegeben hat

und das Navi einen daraufhin in die Stadtmitte führen will, aber bitte, doch nicht wenn man einen Salat und einen Kaffee möchte und darüber hinaus die herrliche Sicht ins Tal genießen will). Nun denn, wir haben’s überlebt und während wir ins Tal rollten, monierte Andreas, dass seine Maschine keine Leistung mehr bringe. Anhalten, checken, Kriegsrat und pragmatische Lösungsfindung. Erst ein Restaurant für die hungrigen Mäuler suchen, während der Pause dann größerer Check und anschließend Entscheidung. Na, was für ein Tag war es wohl? Natürlich Samstag und der Vormittag war längst vorbei. Dabei hatten wir insofern Glück im Unglück. da wir ein Restaurant fanden, erstmal wieder abgewiesen wurden, da wir zu viele seien, der Wirt dann nochmals auf die Straße kam, nachzählte und uns doch einen Tisch fertigmachte. Und, welche Überraschung, in der Kneipe hing ein großes Bild, welches Wirt samt Frau auf einer BMW 1200 RT zeigte – da waren wir richtig! Während wir auf das Essen warteten, schauten Frieder und Andreas nach dem Ped. Um es kurz zu machen, es hatte wohl einfach keine Lust mehr. Der Wirt erläuterte, dass die ausgewiesene BMW Werkstatt zugemacht habe und zu guter letzt blieb nur der Anruf beim ADAC. Tatsächlich nach einer Weile und drei Espressi später kam ein Abschlepper und brachte die Maschine ins Depot. Wir brachten Andreas zum Bahnhof, nicht ohne zu erwähnen, dass er möglicherweise im Deutschen Museum für seine Maschine so viel bekommen würde, dass er locker eine neu GS kaufen könne, und verabschiedeten in herzlich (nach 17 Stunden kam er wohlbehalten und bestimmt ausgeruht wieder in der Heimat an).

Unsere Zeitplanung für diesen Tag war futsch. Eigentlich wollten wir von Aosta auf der SR41 über Saraillon, Arpuilles, Petit Sarriod, dann die SR22 über Thomasset und die SR 25 nach Rochefort zurück ins Tal (unbedingt merken, wenn es euch ins Aostatal verschlägt). So blieben wir brav im Tal , denn schließlich wartete der Kleine St. Bernhard und die grandiose Abfahrt vom Skigebiet La Rosiere noch auf uns, bevor wir das Etappenziel Bourg-Saint-Maurice erreichen. Sowohl Auffahrt, als auch die Abfahrt von La Rosiere sind atemberaubend und trotzdem dürfen die Blicke nicht allzu lang auf der schönen Landschaft verweilen, sonst saust man aus der Kurve.

Auf der Terrasse des Hotels das erste Happy Landing Beer, aber dann wurde es doch etwas kühl und wir genossen drinnen ein gutes Abendessen. Das Hotel ist neu und ein „riesen Kasten“, in dessen Innerem man sich derzeit wegen der bestehenden „Corona-Einweg-Regeln“ glatt verlaufen kann. Ich hab’s ins Bett geschafft und denke heute noch an den fantastischen Morgen danach. Mein Blick glitt nach draußen auf eine ansteigende Wiese, über deren Gräser noch eine Dunstschleier hing. Die Sonne war noch nicht zu sehen beleuchtete aber das über dem Tal liegende schmale Wolkenband und darüber stand immer noch die weißgelbe Scheibe des untergehenden Vollmonds. Es sind immer wieder solche Momente , die Reisen zu unvergesslichen Erlebnissen werden lassen und die sich wie eine Datei im Computer in mein Gedächtnis einbrennen.

Die „Königsetappe“ steht heute an. Col de L’Iseran, Col de Chaussy, Col du Glandon, Col de la Croix de Fer, Col due Telegraphe, Col due Galibier. Aber hübsch der Reihe nach. Von Bourg-Saint-Maurice aus folgen wir einem schnellen Streckenabschnitt, der absolut toll zu fahren war, nach Val D’Isere. Das Dorf selbst ist halt eine der modernen Bettenburgen für Touris und (das ist meine ganz persönliche Meinung) kann, sofern es die Fusels, Wandersleute, Radfahrer, Womo-Fahrer zulassen, zügig durchfahren werden. Das ansteigende Tal würde ich nicht zu den malerischten zählen, jedoch, wenn man die Rechtskurve zur Passstraße hinter sich hat, wird es spektakulär. Atemberaubende Ausblicke ins Isere Tal sollten niemand davon abbringen, auf die Straße zu sehen. Oben auf der Passhöhe ist wie üblich Getummel (nur als wir mitten im Juni schon mal im Schnee steckten, war es tatsächlich leer). Mir gefällt die Auffahrt über die Nordrampe besser, als die Abfahrt nach Lanslebourg, aber ich will bei 28 Kehren nun wirklich nicht meckern.

Ein kurzes Stärkungs-Käffchen und weiter geht’s in wirklich zügiger Fahrt, wobei wir auf der D1006 bleiben, da wir zwischendurch auch mal ein paar Kilometer machen müssen. Wäre ich etwas sorgfältiger gewesen und bei der Streckenplanung nicht geschludert, hätte ich mir und meinen Mitfahrern ein ziemliche Enttäuschung erspart.

Wir wollten natürlich die nebenstehende Strecke fahren, 18 Kehren auf den ersten 4 km. Dazu verlässt man die Haupstraße bei Pontamafrey und fährt auf die D77b nach Montfernier. So hatte ich es auch meinem Navi eingegeben, glaubte ich zumindest. Aber Achtung: Als ich bei „Kurviger.de“ die Route plante und Pontamafrey eingab, zog sich das Programm den Ort „Pontamafrey-Montpascal“. Das fiel mir nicht auf, weil die beiden Orte in unmittelbarer Nähe zueinander liegen. Es gibt nur einen gewaltigen Unterschied. Nach  „Pontamafrey-Montpascal“,  führt die B77 und eben nicht die parallel verlaufende D77b. Sch….!

Die Strecke war auch nicht schlecht, aber eben nicht das, was wir erwatet hatten. Dass dieser Fehler auch anderen schon passiert ist tröstet wenig. Aber ein anderer Trost bleibt: Wir müssen nochmals herkommen und diese Strecke fahren. Das verrückte ist, wir haben es im Moment des Geschehens gar nicht gemerkt, sondern erst später kam der Moment, wo wir im Gespräch darauf kamen, dass wir doch eigentlich diese Serpentinenstraße bereits passiert haben müssten. Kurzer Blick auf die Karte und das Missgeschick war klar. Auf dem Col du Chaussy gibt es eine kleine Hütte, in welcher manche Menschen Kaffee und eine Kleinigkeit um Essen bekommen. Wir jedenfalls nicht, an was immer es auch gelegen haben mag. Die Abfahrt vom Col du Chaussy ist nett, mit schönen Ausblicken aber nicht fordernd. Wir queren die D1006 und beginnen mit der Auffahrt zum Col du Glandon. Mit gemütlichen 10% Steigung geht es kurvenreich von St. Etienne de Cuines bergan, hinter St. Colomban des Villards steigt die Straße deutlich an. Oben angekommen stört kein Baum, kein Strauch, ja nicht einmal ein Berggasthof den Blick auf die Schönheit der Bergwelt. Wir haben das perfekte Wetter für diesen Doppelpass. Kurz unterhalb der Passhöhe zweigt der Weg zum Col de la Croix de Fer ab. Die verbindende D926 gibt fantastische Blicke in die Region Maurienne frei. Die umgebende Bergwelt erinnert mit den Spitzen etwas an die drei Zinnen in den Dolomiten, aber eben nur etwas. Die herrliche Alpenlandschaft bietet uns noch einige tolle Kehren bis zur Passhöhe. Ein feines Kurvenpottpourri, das zwischen typisch französischen Bergdörfern uns talwärts bringt und dort in Saint-Jean-de-Maurienne auspendelt . Möglicherweise wird der eine oder die andere von euch den Kopf über unsere Streckenführung schütteln. Aber bitte bedenkt, wir haben einfach Spaß am Fahren und Freude daran, so wunderbare Strecken wie z.B. die D926 nach Le Villard zu genießen. Nachdem wir also etliche Kilometer in den Norden gefahren sind, heißt es jetzt , eine Kehrtwende zu machen, um in den Süden und damit in Richtung Col Du Tèlègraphe zu düsen.

Außerdem finde ich es etwas herablassend, wenn der Col Du Tèlègraphe in einigen Medien als „Vorpass“ zum Galibier bezeichnet wird. Denn so ganz ohne ist die Streckenführung von Saint-Martin-D’Arc und weist nahezu 20 Kehren auf. Zum Ausgangspunkt für den Galibier, dem Örtchen Valloire kann man es gemütlich ausrollen lassen. Dieser Pass scheint ein Mekka für Fahrradfahrer zu sein. Sicher, die Nordanfahrt bieten eine fantastische Serpentinen, die sich zwischen der inzwischen baumlosen Landschaft winden und drehen und sicher, man nimmt Rücksicht aufeinander. Aber manchmal (bestimmt nur manchmal) gerate ich an die Grenze,

meine Contenance zu verlieren. Sehr enge Rechtskehre, an der Außenkurve, also ganz links (warum auch immer) fahren zwei Radler. Ich möchte innen vorbeiziehen, Platz ist wahrlich genug da. Im Kehrenscheitel biegt der erste plötzlich rechts ab, womöglich um die drei Meter ohne Steigung an den rechten Rand zu kommen. Ich will aber kein Fahrrad auf meinem Motorrad und so bleibt

nur strake Bremsung, nach links aufrichten und hinter ihm vorbeiziehen. Gott hört mein Brummen! Die Passhöhe ist fest in der Hand völlig ausgemergelter Radfahrer, an denen wir vorsichtig vorbeiziehen und dann die gewaltige Talfahrt in Richtung Col du Lautaret genießen.

Dort, wo die D902 auf die D1091 trifft und die Straße nach Briancon links abbiegt, schwenken wir nach rechts, um ins Tal der Arene zu fahren. Nach einigen Kilometern erwartet uns unsere heutige Herberge, das „Le Faranchin“. Ich erwähne den Namen deshalb, weil wir nach dem Äußeren zuerst an eine etwas schlichte Unterkunft dachten, gleichwohl wurde im Internet das Essen sehr gelobt. Und in der Tat, die Zimmer waren funktional, es hat an nichts gemangelt, die Schwalben unterm Dach flogen munter ein und aus und wir genossen das absolut beste Essen auf dieser Tour. Wahrhaft, ein Genuss.

Den nächsten Abschnitt zu schreiben fällt mir wirklich nicht leicht. Er handelt von Dummheit, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Nein, ich will nicht über Herrn Trump schreiben, sondern muss über mich selbst berichten. An diesem wunderschönen Morgen spielten auf der gegenüber liegenden Wiese zwei Hunde miteinander und Kinder tollten fröhlich herum. Ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über unserem Hotel und wir holen die Maschinen aus der Garage und machen uns start bereit. Wir brechen kurz hintereinander auf und Treffpunkt sollte die erste Tankstelle hinter dem Col de Lautaret sein. Steff und Frieder fahren vorneweg und wie üblich zügig. Ich trödle noch etwas herum und steige dann auf’s Ped und lass es sehr gemütlich angehen. Die Straße breit, kein Verkehr, beste Sicht. Nach einigen Kilometern kommt eine Linkskurve. Steff und Frieder schneiden sie fröhlich, da der fehlende Verkehr ein schnelle Fahrweise zulässt. Ich bin in Gedanken irgendwo anders, weiß auch nicht wo, jedenfalls nicht beim Pedfahren. Ich fahre die gleiche Kurve mit ca. 70 km/h und bleibe, da trödelig auch brav auf der rechten Seite. Das hätte ich besser sein lassen sollen. Auf dieser tollen, leeren Straße, mitten in der Kurve Split und Sand und schwupps war ich draußen. Was ich selbst noch weiß, ist, dass die Maschine nach rechts in den Kieselstreifen zwischen Straße und Leitplanke wegrutschte. Hinten touchierte ich die Leitplanke, was mich nach links zurück auf die Straße katapultierte und ich hinter der Maschine über den Teer rutschte. Die Leitplanke auf der anderen Seite stoppte uns beide. Ich stand sofort wieder auf und stellte fest, dass mir auch nicht ein Haar gekrümmt war. Peter, der noch weiter hinter mir fuhr schilderte später, dass ich wohl versucht habe, die Maschine noch aus dem Kieselstreifen zu ziehen, aber an dem hohen Absatz zwischen Straßenoberfläche und Kiesel hat sich dann mein Hinterrad völlig quer gestellt und das war’s dann, wozu sicher auch die Abprallenergie der Leitplanke das ihre dazu beigetragen hat. Jedenfalls muss ich meine Hände sofort hoch gehoben haben und so konnte Maschine und ich separat rutschen (sie kann auch das schneller als ich). Mein Gott, wenn man nach über 40 Jahren unfallfreiem Pedfahren meint, man wisse alles, man könne alles, man beherrsche alle Situation und nichts könne einem passieren, fällt man möglicherweise zurecht auf die Schnauze. Und ich hatte verdammt viel Glück im Unglück, wäre gerade einer dieser schmucken Milchlaster auf der Gegenfahrbahn gewesen, müsste wohl ein anderer den Bericht schreiben. Mein armes Ped, das hat es weiter schlimmer erwischt als mich. Wir hoben es auf, stellten es wieder auf die Räder, starteten den Motor und siehe da, sie lief. Also erst mal am Straßenrand erste Inspektion. Die Spiegel hingen an den Fangleinen, das Topcase sammelten wir von der Straße, ebenso wie die Frontscheibe, die Frontpartie sah zum Weinen aus. Langsam fuhr ich zum in Sichtweite nächstgelegenen Parkplatz, um ein genaueres Schadensbild aufzunehmen.

Die Halterung der Frontscheibe kaputt, die Fassung als solche nicht. An der Halterung befinden sich zwei starke Federn, welche die Scheibe nach unten, das heißt in Richtung Fahrer drücken. Diese habe ich entfernt, so dass die Scheibe von der Fassung aufgenommen werden konnte. Anschließend zurrten wir die Fassung samt Scheibe mit einen Spanngurt fest. Erste 30 km Testfahrt bis nach Briancon. Das Fußende der Scheibe war etwas instabil und auch das fehlende Scheinwerferglas zauberte manche Sorgenfalte auf die Stirn. In Briancon in einen Baumarkt ergatterten wir neben Panzerband noch eine durchsichtigen jedoch sehr stabile Folie. Und flugs ging’s an’s Werk. Peter fand als Gegenpart zu unserer Spanngurtkonstruktion einen Holzkeil auf dem Parkplatz des Baumarktes und klemmte ihn so ein, dass die Scheibe in der Aufrechte stehen blieb. Mit dem Panzerband stabilisierten wir Scheibe und Halterung und die Folie zogen wir komplett über Frontpartie und Scheinwerfer. Danach führte ich ein Zwiegespräch mit meinem Ped, wobei es mir sehr deutlich machte, dass es eigentlich die Tour weiter fahren möchte. Wir waren uns einig und siehe da, die Konstruktion hat weitere 1.600 km gehalten und dabei Schotterstraßen genauso geschluckt wie Starkregen auf der deutschen Autobahn – Respekt!

Wir verlassen so schnell wie möglich Briancon, das eher einem Touri- und Verkehrsmoloch ähnelt , als einem hübschen Alpenstädtchen. Unsere Tour führt uns zurück nach Lanslebourg, wobei wir die Hauptstrecke meiden und bei La Vachette auf die D994G abbiegen. Entlang des Flüsschens Durance zieht sich ein wunderschönes, breites Tal.

Am Fluss stehen Wohnmobile und langsam kommen die Hügel der Straße näher. Kurz vor Roubion fahren wir rechts ab. Für die Verbindung zwischen den Tälern Vallee Ertroite (Frankreich) mit Bardonecchia (Italien) sind zwei Pässe vermerkt: Der Col de l’Echelle (1.766 m) bezeichnet demnach das südliche Ende des Hochtales, das nördliche Ende wird als Le Mauvais Pas (1779 m) bezeichnet. Die ziemlich enge D1 T führt uns durch bewaldetes Gebiet zunächst zum Col de l’Echelle, der uns neben einer tollen Kurvenhatz auch noch einen zauberhaften Ausblick ins Tal gewährt. Über den Le Mauvais Pas und Melezet führt wieder eine hübsche Talstraße nach Bardonecchia wo uns das gigantische Tunnelmaul vom Frejus-Tunnel erwartet. Was für eine verrückte Welt. Wir fahren 15 km Tunnel nach Norden, um auf der anderen Seite nach einer kurzen Quertraverse wieder über die selbe Bergkette und den Mont Cenis zurück in den Süden zu fahren. Aber über die Verkehrsführung hatte ich ja schon weiter oben gesprochen. Noch ein kleiner Tipp. Zwischen Modane und Lanslebourg gibt es eine herzallerliebste Nebenstrecke, und zwar die D215/D83, die sich am Berg entlang hangelt und neben grandioser Landschaft und schönen Blicken auf die L’Arc deutlich bessere Luft als die Hauptstraße bietet. Bei Solieres kommen wir wieder auf die Hauptstraße, essen in einem Straßenrestaurant einen kurzen Snack und weiter geht’s in Richtung Mont Cenis. Nach Lanslebourg beginnt zusammen mit dem Anstieg ein lichter Lärchenwald, in den sich das Serpentinenband der Straße hinein gefressen hat. Hervorragende Straßenzustand machen die Auffahrt zum Genuss. Nach der Baumgrenze wird der Blick zum Stausee frei, der in seiner Größe seinesgleichen in Europa sucht. Wir bleiben für einige Kilometer auf der Passhöhe und lassen den Blick durch die fabelhafte Hochgebirgslandschaft streifen. Das fast türkisfarbene Seewasser des Sees begleitet uns. Nach der imposanten Staumauer warten interessante, langgestreckte und gut ausgebaute Serpentinen auf uns, eingesäumt von weißen Begrenzungssteinen. Die Fahrt läuft überaus zügig hinab ins Val Cenisio. Im übrigen wir sind nach einem kurzen Abstecher über Frankreich bereits wieder in Italien. Keine tatsächliche Grenze, keine Zöllner, kein Schlagbaum – welch eine europäische Errungenschaft.

Nach Susa wartet ein richtiger Leckerbissen auf uns. Der Colle delle Finestre zeichnet sich auf seiner Nordseite durch eine wirklich enge Straße sowie unzählige, sehr enge Kehren aus. Zwischen Susa und dem Fähnchen mit der Bezeichnung SP1721 liegen gerade mal 7,5 km. Wer einen Tourer fährt, sollte sich diese Strecke nicht als erstes vornehmen. Das bedeutet richtig Arbeit und zur Belohnung warten 10 km Schotterstraße auf euch.

Auf dem Schotter plötzlich ein Ruck und ich spüre einen Gegenstand im Rücken. Das dauerhafte Gerüttel hat das provisorisch verzurrte Topcase zu sehr strapaziert und es hat sich aufgestellt. Ein deutliches Zeichen von nicht zu Ende gedachten Reparaturversuchen. Also Stop und wir machen es diesmal besser und ziehen den Spanngurt unter die Gepäckbrücke. Und weiter schlucken wir den Staub der Schotterstraße. Die Ausblicke der Strecke auf dem Passrücken entschädigt für alles.

Hinunter ins Tal und bei Poumeres endet unser Streckenabenteuer wieder auf der SP023, die uns über den Colle del Sestriere mehr oder minder im Sinne einer gemächlichen Sonntags-Spazierfahrt wieder ein Stückchen Richtung Norden führt, wo im Skiort Sauze D’Oulx unser Hotel liegt. Den ersten Tag der lädierten Maschine hat diese bravourös überstanden . Die Blicke der anderen Pedfahrer weisen die ganze Palette von Erlkönig?, Tuning?, Schrott? auf, aber sie läuft einfach gnadenlos gut.
Ich liebe diese morgendliche Stimmung. Der Dunst zieht aus dem Tal hoch, wir kehren, die Sonne vor uns, Sauz D’Oulx den Rücken und schwingen ins Tal hinab. Entlang des Flusses Dora Riparia fahren wir auf der SS24 munter einen kleinen Berg hinauf und wieder hinunter, rechts neben uns im Tal die Bahnlinie und wieder rauf und wieder runter, doch halt, da steht eine Baustellenampel auf rot. Anständig warten wir vor der Schlange und als die Ampel grün wird fahren wir los. Ich vorneweg und ziehe auf die linke Spur, da die rechte durch Bauarbeiten blockiert ist. In der nächsten schärferen Linkskurve, fahre ich ziemlich am linken Rand und schwupps, taucht schon wieder ein Fahrradfahrer genau vor meiner Frontscheibe auf. Blitzartiger Rechtsschwenk und vorbei. Der Schreck saß ihm aber genauso tief im Magen, denn, laut meiner nachfolgenden Truppe, hat er sich mehrmals bekreuzigt. Wie auch immer, wie passieren Susa zum zweiten Mal und folgen den Nebensträßchen der A32, die Dora Riparia immer rechts von uns. Kurz hinter Poisatto geht’s dann wieder links ab in die Berge nach Giaglia. Die Sonne ist uns überaus hold gesonnen und ich in froh, nur Hemd und Weste zu tragen. Die Straße führt zunächst durch Agrargebiet, durchbrochen von einzelnen Gehöften, bevor vor Rubiana der Wald den Weg säumt. Kurzer Tankstopp und wir biegen auf die , um den Colle del Lys zu erobern. Der Pass ist der einzige asphaltierte Übergang zwischen Susa- und dem Viùtal und verbindet die Orte Rubiana und Viù. Apropos erobern, auf der Passhöhe befindet sich ein Rundturm zum Gedenken an die 2.024 Menschen aus den Valli di Lanzo, Susa, Sangone und Chisone, die während der Resistenza, dem Widerstand gegen italienischen Faschismus und deutsche Besatzung, zwischen September 1943 und April 1945 ihr Leben verloren Die Auffahrt zum Pass ist nett und stellt keinerlei Herausforderung dar, oben angekommen bietet sich ein so lohnenswerter Rundblick, dass sich die Strecke allemal lohnt.

Der Schönheit der Landschaft und der Strecke ungeachtet, wir hatten Hunger und Durst. Da wir jedoch schon ein wenig im Nirgendwo fuhren, hielten wir Ausschau nach irgend einem Plätzchen für Speis und trank. Und plötzlich, bei Cudine um eine Kurve herum sahen wir ein wenig schmuckes Häuschen mit zwei Holztischen davor und an einem verdrückten gerade zwei Radler ihr Mittagsmahl. Vollbremsung, Parken, Absteigen.

Steff, unser Polyglott, brachte in Erfahrung, dass wir sehr wohl essen können, aber es gibt nur ein Menü. Das schreckte uns nicht und wir ließen uns gemütlich nieder. Mitten in der Pampa gab es einen Gruß aus der Küche, eine Pasta Vorspeise, einen Hauptgang mit Salat und ein Dessert, dazu Wasser und je einen Kaffee. 15.- € pro Nase, ein Betrag, den wir in der Schweiz nur für den Salat bezahlt hätten.

Auch im zweiten Teil der Strecke habe ich mich bemüht, die aufrechte Haltung des Motorrads so minimal wie möglich zu gestalten. Trotzdem geht es als Ruhetag in das Roadbook ein, da nicht ein Pass, sondern nur ein „Pässchen“. Am späten Nachmittag erreichen wir San Giovanni Canavese und gönnen uns ein Erfrischungsbad im Pool. Am Abend dann eine sehr ordentliche Pizza auf dem Dorfplatz.

Ein etwas frugales Frühstück, was jedoch die Superstrecke des Tages nicht schmälern soll. Heute haben wir uns eine Straße vorgenommen, die es laut Google und Garmin nicht gibt. BaseCamp weigert sich beharrlich, meine gewünschte Streckenführung anzunehmen und es wäre doch so schade, wenn wir dieses geniale Sahnestück verpasst hätten. Aber der Reihe nach. Wir verlassen unsere Unterkunft und fahren durch Ivrea auf die SP75, dann 74, dann 73 nach Nomaglio und weiter über Colla di Netro, um dann auf die SP144 zu biegen. Bis hierher ist es bereist fabelhaft. Kurve nach Kurve lassen unseren Kreislauf trotz des schwächelnden Frühstücks sehr zackig auf Touren kommen. Die Straßen sind waldgesäumt und nach Pollone geht’s dann richtig zur Sache. Die Streße wird eng und wir wundern uns über den massiven Verkehr in Richtung Oropa. Wir sind im katholischen Italien und so ist es nicht verwunderlich, dass die Straße um einen gigantischen Parkplatz herumgeführt wird. Und nicht weniger gigantisch, der dahinter liegende Wallfahrtsort mit der Basilica Superiore. Effektvoll vor den Berg gebaut sieht der Prachtbau schon nach was aus. Ist allerdings nicht so unser Ding und wir umrunden das Gebäudeensemble schnell, um weiter den Berg hinauf zur Galleria Rosazza zu kommen.

Der Wallfahrtsort Oropa. Steinernes Heiligtum vor steinernem Hintergrund

Aufwärts geht es. Diese Strecke musste ich sozusagen Meter für Meter meinem BAseCamp abtrotzen, es will die Straße einfach nicht kennen, sondern weist es als unbefestigten Feldweg aus (Google auch). Aber von wegen. Die Straße hoch zum Pass ist zwar ziemlich eng und kehrenreich, also durchaus etwas, um uns zu erfreuen. Wenngleich ganz oben ein Tunnel wartet, so doch einer, den man nicht alle Tage fährt.

Ein Espresso am Tunnelende, auf der Terrasse des Minirestaurants ist das Sahnehäubchen auf den atemberaubenden Blick auf die Biellieser Alpen und die Tallandschaft. Nebelwolken steigen aus dem Tal hoch, durchbrochen von blauen Sonnenlöchern. Man sieht gar nichts und Minuten später strahlt alles im Sonnenlicht. Bevor wir aufsteigen warnt uns die Wirtin noch vor den vielen Kehren, was wir mit Freude vernehmen. Vom Gipfel ins Tal führt die SP513 und im Anschluss düsen wir auf einer alpinen Höhenstraße in Richtung Trivero. Ein reiner Genuss, zumal uns nach drei Berge die Fahrt versüßen, und zwar der Bocchetta di Séssera, danach der Bocchetta di Margosio und zum Schluss der Bocchetta di Caulera, der schon die Abfahrt nach Trivero bildet. Nach Triverio fahren wir über die SP71 und die SP77 über kurvenreiche Sträßchen nach Cellio und weiter auf der SP103 über Orsanvenzo (sehr empfehlenswerter Streckenabschnitt) nach Pogno, schrammen unten am Lago die Orta vorbei, um gleich links in Richtung Monte Mottarone ab zu biegen.

Der Monte Mottarone bietet meines Erachtens bei der Auf- und Abfahrt mehr als oben am Gipfel. Kommt man von der Lago d’Orta Seite, gewährt einem die Straßenführung super Blicke auf die Isola San Giulio. Oben angekommen fühlt man sich wie auf einem ALDI Parkplatz, wenn eine neue Computergeneration billigst abgegeben wird. Ein irrsinniges Getümmel, Fusels, Familien mit Kind und Kegel, Radler, Läden und, und, und. Nichts wie wieder runter. Über eine kurvenreiches Privatsträßchen, welches gut ausgebaut ist entfernen wir uns Richtung Lago Maggiore, biegen jedoch kurz vor Stresa links ab und kommen erst bei Baveno wieder auf die Hauptstraße. Kurz am See entlang und dann wieder links, um etwas weiter im Landesinneren zu nächtigen. Dort schieden sich dann die Geister. Ein Teil von uns macht es sich im Garten des Hotels bequem, der andere Teil fährt nochmals zum See, um im Umfeld der alternden Reichen und schön gemachten zu baden. Zum Hotel sei noch angemerkt „Asche auf mein Haupt“. Ich hatte es wieder nach Essensbewertungen herausgesucht, aber sowohl Zimmer als auch Restaurant haben noch deutlich Luft nach oben. Anyway, wir haben alle gut geschlafen und machten uns am Morgen auf, entlang des Sees. Man muss es wirklich mögen, diese Fahrt entlang am Lago Maggiore. Sofern nicht, kriegt ihr einen Fön. Das letzte Stück, von Locarno bis Comelina, wo man dann auf die A2 einbiegt, grenzt an Folter. Na ja, zumindest ist es ätzend.

Es folgt ein entspanntes Stückchen bis Biasca, wo wir die Autobahn verlassen, um den Lukmaier zu „bezwingen“. Obwohl er zu meinen Favoriten zählt, und zwar nicht wegen fahrerischen Herausforderungen, die gibt es nicht, aber wegen der außerordentlich schönen Landschaft und wie die Streckenführung durch diese Landschaft den Genuss noch erhöht. Mein Tipp: Bei Aquarossa runter von der 416 und auf die alte Straße,

die bei Camperio wieder einmündet. Fahrerisch ein Genuss. Man Findet einige Spitzkehren genauso wie schnelle, langgezogene 180 Grad Kurven. Oben ein kurzer Tunnel und dann geht’s an einem Bach entlang durch Waldstücke und gegen Ende eine weite Argrarlandschaft nach Disentis. Dort ein Käffchen und viel Wasser, denn wir haben schon wieder um die 30 Grad und weiter geht’s Richtung Splügenpass.

Wir folgen der Bundesstraße 19 bis kurz nach Darvella. Wir biegen rechts ab und stoßen auf ein reines Kurvenkarussell, das uns aus dem Tal bringt. Diese Nebenstraße ist richtig gut, es läuft und ist doch nicht langweilig. Unterwegs werden wir mal kurz gestoppt, weil ein Hubschrauber die in einem Steilhang gefällten Bäume aus dem Wald hochzieht und über die Straße fliegt. Sieht ganz schön gefährlich aus. Wir bleiben auf den Nebnstraßen und stoßen erst bei Schauenberg auf die A13, die dann über Thusis und Sufers zur Splügen Passstraße führt.Insbesondere die ersten Kilometer nach der Abzweigung haben es in sich und dann wieder kurz vor der Passhöhe selbst.

Das Kehrenkarussell des Splügen

Kehrentechnisch noch besser ist jedoch die Abfahrt, was aber eindeutig zu Lasten der Geschwindigkeit geht. Die Italienischen Baumeister haben die Kehren in eine gefühlte senkrechte Wand gehauen.

Südliche Hemisphäre und südliches Flair umgeben uns, als wir bei Chiavenna wieder nach rechts auf die SS37 bzw. 3 einbiegen und unsere Fahrt in Richtung Majolapass fortsetzen. Das Besondere an diesem Alpenpass ist, dass er auf seiner Nordseite sehr flach ist, nach Süden hingegen aber steil und abrupt ins Bergell abfällt. Vom italienischen Chiavenna nach Maloja  (unsere Strecke) steigt der Passweg auf 32 km um 1482 m an. Auf den nächsten 49 km nach Nord-osten bis Zernez beträgt der Höhenunterschied dagegen nur 343 m. Zweifellos  sind die beiden Endpunkte die herrliche Silvaplana-Seenplatte im Norden sowie das traumhafte Bergell im Süd- westen. Von der quirligen Lebendigkeit Chiavennas führt die Strecke in gut ausgebauten Serpentinen bergauf und schwingt in weiten Bögen durch einsam gelegene Bergdörfer. Vom (wie überall) touristisch geprägten Scheitelpunkt des Majola-Passes lassen wir es dann ruhig ausdriven, um in St. Moritz das verdiente Happy-Landing-Beer zu genießen.

Ein letztes gemeinsames Abendessen, denn in St. Moritz endet der gemeinsame Teil unserer Tour. Rosa und Steff werden vermutlich das Wochenende über noch in der Schweiz bleiben. Frieder düst sofort nach Hause, Peter auch, wobei er die lange Fahrt nach Hamburg wohl bei gutem Wetter absolvieren kann. Ich selbst fahre über den Ofenpass und den Umbrailpass weiter zum Stilfser Joch, wieder abwärts nach Sterzing, dann auf die Brenner Autobahn. Kurz nach Innsbruck wieder runter und über die B11 nach Seefeld und Scharnitz. Tipp: Kurz nach dem Ort Wallgau geht rechts eine kleine Straße ab, die zu einer Privatstraße mit Maut an der Isar entlang nach Vorderriss führt. Idylle pur! Über Wildbad Kreuth, am Tegernsee entlang endet auch meine Tour bei einer super Hochzeitsfeier in München. Es war wieder einmal durch und durch schön (von meinem kleinen Ausrutscher mal abgesehen) und ich danke allen, die mich bei dieser tollen Tour begleitet haben. Freude teilen ist doppelt schön.

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Pyrenäen (Juni 2019)

  1. PeterIvanovic

    Das ist die schärfste Planung, die ich je gesehen habe, macht richtig Spass.

  2. Meiko

    Sehr sehr geile Ausarbeitung. Respekt!! Darf man deine Planung für den privaten Gebrauch weiterverwenden ? Wünsche viel Spass bei der Tour.

    • Klaus Mairhöfer

      Aber ja doch gerne, auf meiner Startseite steht ja: „Teilt mit mir meine Freude“ und ich teile auch gerne mit Euch.

  3. Detlev

    Toller Bericht!
    Welches Navi hast Du für die Planung genutzt?
    Gruß

    • Klaus Mairhöfer

      Danke für deine Einschätzung. Ich plane mit Kurviger.de. Da kann ich unterschiedliche Kartenoberflächen ebenso verwenden wie unterschiedliche Anforderungen an die Straße. Außerdem kann ich weit mehr Wegpunkte eingeben, als in Garmin oder Google. Die Speicherung findet im gpx Format statt, d.h. du kannst es anschließend mit Garmin öffnen und auf den Navigator überspielen. Aber Achtung: Wenn du mehr als 29 Wegpunkte hast, schmollt Garmin und zeigt nur noch Luftlinie an. Dann hilft nur Teilen der Route.

      • Werner

        Hallo Klaus. Mega Bericht. Hut ab. Frage: könntest Du mal etwas detaillierter die Planung auf Kurviger und das anschl. Übertragen auf das BMW-Navi erklären. Bei mir funktioniert es nicht….. Danke und Gruss Werner

  4. Daniel

    Phantastisch, super Bericht, danke. Wäre es möglich, die GPX Datei erhalten zu können (wie im FB erklärt). Gruss de la Suisse romande

  5. Horst Walter

    Hervorragende Ausarbeitung. Mache selbst seid ca. 20 jahren Guide für unsere 6 / 8 mann starke Gruppe. Wenn es möglich wäre, mir bitte die Tour als .GPX zusenden.

    Im voraus besten Dank.
    Horst, der Schanzer

  6. Hans

    Hallo Klaus, das ist ja mega. Da hast Du dir echt sehr viel Mühe gemacht mit der Ausarbeitung. Und es ist wunderschön geschrieben, da bekommt man wieder Lust zu fahren.
    Dürfte ich die Tor als gpx bekommen? Ich würde mich sehr freuen.
    Besten Dank im Voraus.

    Beste Grüße
    Hans

  7. Hans

    Hallo Klaus, ich muss sagen es ist ein sehr schöner Bericht. Da bekommt man echt wieder Lust los zu fahren.

    Dürfte ich auch die GPX Datei haben? Ich würde mich sehr darüber freuen.

    Lieben Dank im Voraus.

    Beste Grüße und Allzeit gute Fahrt
    Hans

  8. Stefan

    Lieber Klaus,ich fahre gerade zum Saisonende eine Runde um Kreta auf einer R 25,da gibt’s tagsüber immer was zu schrauben ,abends lese ich dann mit Genuss deine letzte Alpentour und wünsche mir für die nächste wieder eine Einladung
    Herzliche Grüße dein Polyglott

    • Klaus Mairhöfer

      Lieber Steff, ich kann mir gar nicht vorstellen, oder jedenfalls nur sehr schwer, unsere Touren ohne dich bzw. euch zu fahren. Insofern seid ihr sicher auf der nächsten Tour mit dabei. Habe das Grenzgebiet Griechenland (Kostoria) südlich Albanien im Blick. Völlig „unerforscht“, allerdings habe ich noch keinen Idealweg für An- und Abreise. Jedenfalls könnte es eine Alternative sein, falls die Schwarzmeerumrundung dem Virus zum Opfer fällt. Genießt Kreta und sage nur liebe Worte zu deiner lieben Rosa.

  9. Peter Neumann

    Hallo Klaus!
    Erstmal danke für deine wirklich tollen Bilder und dem dazugehörigen Bericht,Respekt! Bin auch schon einige deiner genannten Pässe gefahren,aber leider nie auf 1 Tour und in der Reihenfolge!
    Würde mich freuen,wenn auch ich deine
    Tour per GPX-Datei bekommen könnte!
    DLzG
    Peter

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